Der anspruchsvollere Weg: Ein Gespräch über Neuorientierung, Sinn und berufliche Perspektiven

Stefanie Warnecke leitet derzeit das Mutter-/Vater-Kind-Haus Alfter. Früher arbeitete die Sozialarbeiterin in einer Discounterkette. "Dort, wo es all die guten Sachen gibt", erzählt sie lachend. Verlässliche Strukturen, planbare Arbeitszeiten, wenig Überraschungen. Als ihre eigenen Kinder groß wurden, merkte sie, dass sie mehr wollte als Routine. In ihr wuchs der Wunsch, dort zu arbeiten, wo ihre Unterstützung existenziell ist. „Ich wollte etwas tun, das wirklich einen Unterschied macht“, sagt die 50-jährige. Diesen Ort hat sie im Mutter-/Vater-Kind-Haus Alfter gefunden. Gemeinsam mit ihrem sechsköpfigen Team stabilisiert sie Familien – und trägt dazu bei, dass Eltern Schritt für Schritt den Mut finden, ihr Leben neu auszurichten.

Seit neun Jahren arbeitet Stefanie Warnecke in Alfter und liebt die Vielfalt ihres Alltags.

„Kein Tag ist wie der andere. Morgens bringe ich ein Kind in die Kita, dann führe ich ein Fachgespräch, erstelle den Dienstplan, lese ein Buch vor, trockne Tränen, schreibe Berichte oder bereite eine Schulung vor.“ Routine? Fehlanzeige. „Aber genau das macht unsere Arbeit lebendig.“

Ein respektvoller Umgang und ein offenes Miteinander prägen ihre Arbeit im Team.

„Mir ist wichtig, dass sich alle als Teil des Ganzen fühlen und Verantwortung übernehmen. Zugleich sehe ich es als meine Aufgabe, den Rahmen zu halten und Entscheidungen zu treffen, auch wenn diese nicht immer auf Zustimmung stoßen. Entscheidend ist für mich, dabei fair, ehrlich und respektvoll zu bleiben. Das ist Ausdruck meiner Haltung und meines Respekts gegenüber jedem Menschen.“

Die Begegnungen mit den Eltern im Haus bewegen sie besonders.

„Mich beeindruckt, wie viel Mut und Energie in den Eltern steckt, wenn sie sich auf Neues einlassen. Jede und jeder bringt eigene Erfahrungen mit, oft auch schwere, und doch entsteht hier ein Raum, in dem Wachstum und Veränderung möglich werden dürfen. Es berührt mich zu sehen, wie sich Schritt für Schritt Vorstellungen davon entwickeln, was ein Zuhause sein kann: ein Ort von Sicherheit, Zugehörigkeit und Hoffnung.“ Nachdenklich wird sie, wenn das nicht gelingt. „Das sind schwierige Momente, die für alle Beteiligten eine große Belastung darstellen.“

Auf die Frage, wie sie mit belastenden Situationen umgeht, antwortet sie ehrlich:

„Das fällt mir nicht immer leicht. Ich versuche authentisch zu bleiben, ehrlich und zugewandt - auch, wenn es schwierig wird. Ich glaube, dass jeder Mensch jemanden braucht, der an ihn glaubt und die Hoffnung hält, auch und gerade, wenn man sie selbst einmal verliert. Ich glaube, das ist ein wichtiger Teil unserer Arbeit.“

Konzeptionell wurde das Haus neu ausgerichtet. Seitdem hat sich einiges verändert, auch für sie persönlich.

„Wir haben jetzt eine fachlich fundierte Basis, die die Besonderheiten unserer Zielgruppe in der Praxis berücksichtigt. Partizipation und Empowerment sind keine Schlagworte mehr, sondern gelebter Alltag. Das macht unsere Arbeit klarer, verbindlicher und lebendiger.“

Neben ihrer hauptberuflichen Tätigkeit absolviert Stefanie Warnecke einen Masterstudiengang in Sozialer Arbeit – ein Spagat, der sie fordert und zugleich motiviert.

„Mein Studium treibt mich an und erdet mich gleichzeitig. Und manchmal treibt es mich in den Wahnsinn, insbesondere Statistik“, sagt sie lachend. Das Thema ihrer Masterarbeit: Abhängigkeitserkrankungen und soziale Mehrfachbelastungen – eine intersektionale Perspektive auf die Lebenslagen von Familien in der Sozialen Arbeit. „Das klingt theoretisch, hat aber viel mit meinem Alltag zu tun“, fügt sie hinzu. „Und wenn mir danach langweilig wird, schreibe ich vielleicht tatsächlich noch eine Doktorarbeit. Oder – was wahrscheinlicher ist – ich genieße einfach einen Kaffee, der nicht kalt geworden ist.“

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