Am Rand von Bonn, eingebettet in die Gemeinde Alfter, liegt ein Ort, an dem Leben neu sortiert werden darf. Nicht perfekt. Nicht sofort. Aber Schritt für Schritt, im eigenen Tempo. Das Mutter-/Vater-Kind-Haus Alfter begleitet junge Familien auf dem Weg in ein selbstständiges, selbstbestimmtes Leben, dann, wenn der Boden unter den Füßen gerade besonders wackelig ist.
Hier leben Mütter, Väter oder Paare mit ihren kleinen Kindern, oft nach einem schwierigen Start ins Leben als Familie. Viele von ihnen bringen Erfahrungen mit, die prägen: psychische Belastungen, schwierige Beziehungserfahrungen oder die Folgen von Sucht. Was sie verbindet, ist der Wunsch, Verantwortung zu übernehmen – für sich selbst, für ihr Kind, für ihre Zukunft.
Das Team im Haus begegnet diesen Eltern mit Respekt, mit einer klaren Haltung und mit echter Unterstützung. Es geht nicht darum, über Fehler zu urteilen, sondern darum, gemeinsam neue Wege zu entwickeln. Im Mittelpunkt stehen dabei nicht Probleme, sondern Ressourcen. Keine Diagnose, sondern Entwicklung. Keine vorgefertigten Lösungen, sondern gemeinsames Suchen.
Die Eltern leben in teilgemeinschaftlichen Wohneinheiten mit ihren Kindern. Jeder hat seinen Rückzugsraum, aber auch Orte der Begegnung: eine gemeinsame Küche, einen Garten, einen Innenhof. Es ist ein geschützter Ort, aber keine Insel. Denn Teilhabe am gesellschaftlichen Leben ist ein zentrales Anliegen.
Dazu gehören kleine, aber bedeutsame Rituale: Einmal pro Woche kochen alle gemeinsam und essen miteinander zu Mittag. Wenn wir mit den Familien auf die Spielplätze der Gemeinde gehen, geht es um mehr als Bewegung an der frischen Luft; es geht um Teilhabe. „Viele Eltern wagen sich erst in Begleitung in diese Räume. Wir möchten sie dabei unterstützen, ihren Platz im Sozialraum (wieder) einzunehmen, ganz selbstverständlich“, beschreibt Mitarbeiterin Miriam M. den neuen Ansatz. Für viele Eltern ist das keine Selbstverständlichkeit. Manche erzählen:
„Ich gehe ungern auf den Spielplatz – ich habe Angst vor den Blicken der anderen.“ Bewohner, 23 Jahre
„Spießerleben – das klingt vielleicht komisch. Aber ich will das. Kind auf dem Spielplatz. Abendessen um sechs. Ich hab so viel Chaos erlebt – ich will jetzt einfach Ruhe.“ Bewohnerin, 31 Jahre
Und genau das ist die Vision: Normalität ermöglichen. Ohne zu beschönigen, wie hoch die Hürden manchmal sind. Denn gesellschaftliche Teilhabe scheitert oft nicht an mangelndem Willen – sondern an strukturellen Barrieren, an Vorurteilen, an fehlenden Chancen. Das Mutter-/Vater-Kind-Haus will diese Lücken nicht schönreden, sondern Brücken bauen: mit Geduld, mit Fachwissen und mit ehrlichem Interesse an den Menschen, die hier leben. Alltag ist hier keine Nebensache – sondern Lernfeld, Beziehungsraum und manchmal auch Zumutung. Gerade deshalb begleiten wir eng, verbindlich und strukturiert.
Die Mitarbeitenden kommen aus verschiedenen pädagogischen und psychosozialen Fachrichtungen. Sie begleiten die Familien individuell in Fragen der Erziehung, Alltagsbewältigung, bei Behördengängen oder der beruflichen Perspektivplanung. Immer mit dem Ziel: Stärkung der Elternkompetenz. Und darüber hinaus: Stärkung des Vertrauens in das eigene Leben.
„Ich habe gelernt, dass mein Kind keine perfekte Mutter braucht, sondern eine, die bleibt, auch wenn’s schwierig wird.“ Bewohnerin, 32 Jahre
„Wir begleiten. Wir retten nicht. Wir gehen ein Stück mit und bleiben, bis jemand seinen Weg wieder selbst gehen kann“, beschreibt Mitarbeiterin Jill N. ihren Arbeitsansatz.
Seit gut einem Jahr hat sich das Haus inhaltlich neu aufgestellt: konzeptionell, fachlich und organisatorisch. Diese Weiterentwicklung war notwendig und wird im Alltag spürbar. Auch das Team hat sich verändert. Neue Kolleginnen mit Herz und Verstand bringen frischen Blick, fachliche Tiefe und ein starkes Gespür für das, was junge Familien brauchen.
Das Haus in Alfter steht für ein Verständnis von Sozialer Arbeit, das beides ist: professionell und menschlich. Und für eine Haltung, die sagt: Jeder Mensch hat das Recht auf einen neuen Anfang und auf jemanden, der an ihn glaubt.